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Rock / Heavy Metal 30.09.2026

Ruhrpott-Maxxing: So war das Zinnober Festival 2026

Ruhrpott-Maxxing: So war das Zinnober Festival 2026

Wer sich herausnimmt, in der vorletzten Septemberwoche der ausgehenden Festival-Saison noch einmal sein letztes bisschen Sommerfeeling abzutrotzen, macht sich die Sache nicht leicht. Die Ferien-Kernzeit ist langsam vorbei, Urlaub und andere Festivals haben bei vielen ein Loch ins Freizeit-Budget gerissen und die blauen Flecke von den letzten Moshpits sind gerade erst richtig verheilt. Umso erbaulicher also, dass die Veranstalter:innen des Zinnober Festivals noch am Vortag des 25. Septembers verkünden konnten, dass dieses zum ersten Mal ausverkauft wurde – bis auf ein Restkontingent, das für die Abendkasse zurückbleibt.

Wer diese Restkarten noch haben will, muss früh da sein, was den angenehmen Nebeneffekt hat, dass immerhin ein paar Menschen in der großen Halle sind, als um kurz nach 16 Uhr mit der Hardcore-Band Skirt der erste Programmpunkt des Abends beginnt. Als erster Act um diese Uhrzeit haben die vier Hamburger:innen eine undankbare Aufgabe. Sie kommen aber mit einer Energie und Souveränität aus dem Startblock, die die Umstände schnell vergessen lässt. Wenn diese Band in einem vollgestopften Kellerclub genauso loslegt, könnte das auf jeden Fall richtig Laune machen.

Für das nächste Ausrufezeichen sorgen auf der etwas gemütlicheren Riot Stage kurz danach Moral Bombing aus Dortmund mit einem finsteren Metalcore-Set, das direkt die Bedeutung vor Augen führt, die lokale Acts am heutigen Tag haben. Wo Bands aus dem Pott im vergangenen Jahr noch größtenteils ins Nachmittagsprogramm verbannt wurden, könnten sie diesmal nicht prominenter platziert sein. So beschwören die ebenfalls aus Dortmund stammenden Speed-Metal-Berserker Vulture am frühen Abend einen nostalgischen Hauch „Thrash: Altenessen“ herauf, später gibt es mit The Night Eternal aus Essen noch oldschooligeren Heavy Metal und obendrein die Ehrengäste Slope aus Duisburg, die auf dem Timetable zunächst noch als Secret Show aufgeführt sind.

Die Geheimniskrämerei um sie kommt nicht von ungefähr: Slope feiern heute nicht nur den Geburtstag von Schlagzeuger Patrick Schulten, sondern vor allem die Veröffentlichung ihres dritten Albums „Same Kids. Just Louder.“ Dass sie heute Abend diesen besonderen Slot spielen, passt also wie die Faust aufs Auge. Schon seit November letzten Jahres gab es in der Region mehrere Guerilla-Konzerte von ihnen (eines davon im Zinnober-Domizil DER_RAUM in Essen) und obwohl sie heute streng genommen nur eine Band von vielen sind, machen sie das Zinnober mit ihrem kurzen, energischen Set zumindest für eine halbe Stunde zu ihrer eigenen Party.

Wer danach noch nicht genug Pott-Maxxing hatte, kann auf der Riot Stage mit der Show von Isla Ola aus Dortmund ein weiteres besonderes Konzert einer regionalen Band erleben. Nachdem während der vergangenen fünf Stunden fast jedes Konzert sehr hoch auf dem im Lärm-und-Intensitäts-Spektrum gelagert war, funktioniert dieses frostige Coldwave-Set nicht zuletzt als willkommener Druckausgleich, der vor allem mit düsterer Atmosphäre punktet.

Zwischen all den Perlen aus der Nachbarschaft gibt es aber natürlich auch wieder eine ganze Reihe weit angereister Gäste. So zum Beispiel die australischen Hardcore-Bolzen Split System, bei denen heute Ben Portnoy von C.O.F.F.I.N. am Schlagzeug aushilft, oder die Dear Omen aus Amsterdam, die mit Kerzenschein, Siouxsie Sioux-Schminke, Sadomaso-Outfits und Kavernen-Post-Punk absolut kein Goth-Klischee auslassen. Ellis D aus Südengland sieht auf den ersten Blick aus wie ein Boyband-Mitglied, macht dafür aber ganz ordentlich Radau – ganz zu schweigen von den Kanadiern Béton Armé, die zeigen, dass man auch in der Sprache der Liebe rotzige Oi-Bretter schreiben kann.

Den Zapfenstreich des Abends geben um 23:30 Uhr dann die enigmatischen Lausitzer Untergrund-Legenden Pisse, deren Konzert allerdings etwas nüchtern ausfällt. Zwar spielen auch sie eine energische Show und haben sogar ein Theremin dabei, nach einem an vielfältigen Eindrücken so reichen Tag ist ihre geerdete No-Bullshit-Attitüde vielleicht einfach etwas zu blass, um die sprichwörtliche Kirsche auf der Torte des Events zu sein. Zumal auch sie mit dem stellenweise suboptimalen Sound zu schaffen haben, der auf der Hauptbühne über den gesamten Abend auftritt.

Dass der Schluss ein wenig antiklimaktisch ist, bestätigt aber einen Eindruck, der sich dieses Jahr durch die ganze Veranstaltung zieht: Mehr als noch 2025 kommen die eigentlichen Aha-Momente des Festivals von jungen Bands in den Vorabend-Slots. Bands, die meistens aus der Gegend stammen und zeigen, wie vielfältig und aufregend das ist, was in der lokalen Szene in und um Essen passiert. Und wenn dieses Konzept anscheinend ein stetig wachsendes Publikum aus eben dieser Region anspricht, das fähig ist, ein solches Festival auszuverkaufen, passt der Deckel auch auf den Topf.

Der Beitrag Ruhrpott-Maxxing erschien zuerst auf VISIONS.de.

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