Das Ende von Carrie bei Amazon Prime erklärt: Das Finale überrascht mit Verbindungen zu Shining und dem Stephen King-Universum

Die Coming-of-Age-Horrorserie Carrie streamt seit dem 7. Oktober bei Prime Video. Serienschöpfer Mike Flanagan erschafft darin aus den Kernelementen von Stephen Kings zuvor schon dreimal verfilmtem Debütroman eine erschütternde Neuinterpretation. Hier steht die Teenagerin Carrie White im Mittelpunkt eines Social-Media-Skandals mit katastrophalen Folgen.
Im Verlauf der insgesamt acht Folgen überrascht die Stephen King-Adaption mit zahlreichen Änderungen, die auch den finalen Abschlussball-Showdown der Vorlage in ein ganz neues Licht rücken. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse und Wendungen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ende der Amazon-Serie Carrie findet ihr hier übersichtlich zusammengefasst und erklärt.
Das Ende erklärt: Der Abschlussball, Carries Schicksal und die Wahrheit über die Interviews
Trotz vieler Änderungen kulminiert die Stephen King-Adaption in der gleichen Tragödie wie die Vorlage: beim Abschlussball der Ewen High School. Carrie White (Summer H. Howell) wird auch hier an der Seite ihres Balldates Tommy Ross (Joel Oulette) zur Prom Queen gekürt, ehe sie Opfer eines perfiden Streichs von Chris Hargensen (Alison Thornton) und Billy Nolan (Arthur Conti) wird. Ein Eimer voll Schweineblut ergießt sich über der Teenagerin und der folgende Spott endet mit dem Tod von rund 200 Menschen. Einzig Sue Snell (Siena Agudong) und Tina Blake (Josie Totah) überleben, wie ihre späteren Interviews enthüllen.
Der entscheidende Unterschied zu bisherigen Versionen der Story: Carrie ist nicht allein verantwortlich für das Prom-Massaker und die Zerstörung von halb Chamberlain. Nachdem sie per Telekinese eine Metallbrücke über der Bühne zerstört, wird Tommy davon erschlagen (nicht von einem Eimer wie im Original). Plötzlich erscheint die mächtige Telepathin Emaline (Thalia Dudek) in Carries Kopf und bietet ihr an, das Ruder zu übernehmen. Ferngesteuert beginnt Carrie, die Menschen im Gebäude zu töten, ehe sie sich nach draußen begibt und die Straßen der Stadt in ein Flammenmeer verwandelt.
Wie viel Schuld trifft Carrie wirklich? Ob sie auch ohne Emalines Einwirken so viel Tod und Zerstörung gebracht hätte, bleibt euren Theorien überlassen. Ihre finalen zwei Opfer sind schließlich Chris und Billy, deren Auto sie per Gedankenkraft zerquetscht – Chris' Entschuldigung für alles, was sie Carrie angetan hat, kommt leider zu spät und nicht von Herzen. Als Carrie befreit durch die Straßen von Chamberlain tanzt, reißt die Verbindung zu Emaline jedoch plötzlich ab. Von der gerade ausgelösten Tragödie schockiert, begibt sie sich nach Hause und fällt in die Arme ihrer Mutter. Und hier folgen direkt die nächsten erheblichen Änderungen der Vorlage.
Obwohl Margaret White auch in dieser Version versucht, ihre Tochter zu töten, wird sie überraschenderweise nicht von Carrie umgebracht. Stattdessen bringt Carrie ihr Zuhause zum Einsturz und steigt schwer verletzt, aber lebendig aus den Trümmern hervor, ehe sie von der nun real erscheinenden Emaline in Sicherheit gebracht wird.
Im Anschluss folgt nun die wohl größte Überraschung der Stephen King-Adaption: Wir wussten bereits vor dem Finale, dass Carries Erlebnisse nur ein kleiner Teil einer größeren Geschichte sind, die sich im Hintergrund abspielt. Jetzt enthüllt sich das wahre Ausmaß. Denn die zuvor gezeigten Interviews sind keinesfalls Teil einer True-Crime-Dokumentation, sondern Befragungen einer Gruppe von Frauen mit Superkräften, die alle losen Enden des Chamberlain-Vorfalls kappen und jeden Beweis für ihre Existenz vernichten wollen.
Stephen King-Mythologie: Hat Carrie das Shining?
Die Anführerin der Gruppe, Adelaide (Kate Siegel), entpuppt sich als mächtige Telepathin. So dringt sie in Sues Kopf ein und löscht sämtliche Erinnerungen an die "Fremden", die den Schulball besucht haben. Während des Proms spielte sich zeitgleich ein Konflikt zweier verfeindeter Gruppen ab. Auf der einen Seite drei junge Frauen mit übersinnlichen Kräften (Ruth Codd, Cassandra Naud und Delainey Hayles), die Carrie mutmaßlich für ihre Sache rekrutieren wollen. Und auf der anderen Seite Amanda (Katee Sackhoff), die einer Gruppierung angehört, die Menschen mit Kräften töten will.
Der nächste Twist erfolgt mit der Enthüllung des letzten Interviews: Margaret White hat überlebt und wird von Adelaide mit ihrer persönlichen Scham konfrontiert. Margaret selbst verfügt über latente telekinetische Kräfte. Sie nennt es einen Reflex, der während des Einsturzes ihres Hauses für einen kurzen Moment erwacht. Seit ihrer Kindheit weiß sie von ihrer Gabe. Eine Zukunft als Super-Mama, die sich auf die Suche nach ihrer Tochter begibt, bleibt ihr leider nicht vergönnt. Margaret erleidet schlussendlich dasselbe Schicksal wie in Stephen Kings Vorlage: Sie stirbt an Herzversagen, nachdem Adelaide dieses per Telekinese zum Stillstand bringt.
Was ist das TK-Gen? Mike Flanagans Adaption verbindet die Geschichte von Carrie erstmals mit einer größeren Mythologie des Stephen King-Univsersums. All die zuvor gezeigten Kurzgeschichten über Frauen mit außergewöhnlichen Begabungen werden im Finale als genetische Besonderheiten kontextualisiert, die im King-Kosmos beispielsweise unter dem Schirmbegriff "Shine" geführt werden. Dieser Begriff ist vor allem durch die Verfilmungen Shining und Doctor Sleeps Erwachen bekannt. Im englischen Originalton benennt Adelaide das Shining sogar konkret als etwas, das latent in vielen Menschen schlummert, ohne dass sie je davon mitbekommen.
Im Erzählkosmos von Stephen King gibt es unterschiedlichste Ausprägungen psionischer Kräfte. Ob der Begriff Shine all diese umfasst, wird von Fans seit Jahren hitzig diskutiert. In Stephen Kings kürzlich als Serie adaptiertem Roman Das Institut werden vor allem zwei Hauptkategorien von Kräften benannt: TP (Telepathie) und TK (Telekinese). Manche Menschen verfügen über beide Arten, doch am seltensten ist die Fähigkeit namens PC (Precognition). Die Carrie-Serie gibt uns deutliche Hinweise, dass die Titelheldin neben der Telekinese auch eine Veranlagung zur Vorhersehung besitzt. Zum Beispiel sieht sie schon in Folge 1 in einem Albtraum Bilder der späteren Prom-Katastrophe.
Außerdem gibt es noch weitere Unterkategorien und Ausprägungen des Shines. In der Carrie-Serie wird Emaline West beispielsweise als AP, als Astralprojektorin, bezeichnet. In der Stephen King-Geschichte Der Feuerteufel ist außerdem ein Kind mit PK-Kräften (Pyrokinese) bekannt. Wirkte Carries Welt zu Beginn der Serie noch winzig klein, ist sie am Ende ein riesiger Kosmos, der nur darauf wartet, erforscht zu werden.
Carrie überlebt den Stephen King-Horror – aber wie geht es für sie weiter?
Carrie White hat die neue Version der Stephen King-Geschichte tatsächlich überlebt. In der finalen Szene befindet sie sich auf dem Beifahrersitz im Auto von Emaline, die das telekinetische Wunderkind in Richtung einer unbekannten Zukunft fährt. Wo sie sich gerade befinden und welches Ziel sie ansteuern, darf Emaline nicht aussprechen. Die Gefahr ist zu groß, dass andere Telepathen sie heimlich ausspionieren und tracken könnten.
Da Titelheldin Carrie in der Vorlage am Ende stirbt, liefert Stephen Kings literarisches Schaffen leider keine Anhaltspunkte, wie es mit ihr weitergehen könnte. Fest steht jedoch, dass Carrie sich plötzlich im Mittelpunkt eines geheimen Krieges mehrerer Parteien befindet. Warum Emaline sie vor der namenlosen Gruppierung von Adelaides Power-Frauen in Sicherheit bringen will, bleibt bis zuletzt ein Rätsel. Möglich wäre jedoch, dass diese Carrie für einen Zweck rekrutieren möchte, der im Widerspruch zu Emalines Auffassung von Freiheit und Selbstbestimmung steht.
Seit ihrem ersten Auftritt machte Emaline deutlich, dass sich Carrie niemals für ihr Anderssein entschuldigen oder gar schämen müsse. Sie bezeichnet Carrie sogar als Göttin, der die Welt zu Füßen liegen könnte, während ihre Überlegenheit das Töten "normaler" Menschen rechtfertigt. Kommt euch das irgendwie bekannt vor?
Zwei Fraktionen von Menschen mit Superkräften, die unterschiedliche Ansichten zur Zukunft ihrer Spezies haben: In Amazons Carrie lassen sich überraschende Parallelen zu Marvels X-Men und dem Mutanten-Konflikt um Professor Xavier und Magneto finden. Das Ende vermittelt fast den Eindruck, als würde Mike Flanagan seine eigene Version der X-Men im Kontext des Stephen King-Kosmos erschaffen wollen. Oder besser gesagt: X-Women.
Wird es eine 2. Staffel von Carrie geben?
Gegenwärtig ist noch nicht bekannt, ob Amazon die Carrie-Serie mit einer zweiten Staffel fortsetzen wird. Das Ende eröffnet jedoch eine spannende Mythologie, deren Oberfläche lediglich angekratzt wurde und die in Zukunft weiter ausgebaut werden könnte. Ob dies in Form einer weiteren Season um Carrie oder gar anderer Miniserien geschieht, die bekannte Stephen King-Geschichten völlig neu interpretieren, ist derzeit noch unklar.
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